Zuchtgruppe Varroatoleranz
Die FUAL Zuchtgruppe Varroatoleranz wurde im Jahr 2001, unter dem Impuls von Paul Jungels, gegründet. Sinn und Zweck sind die Verbesserung der Honigqualität, durch Vermeiden von Rückständen durch Varroabehandlungsmittel. Das Zuchtziel ist eine Bienenpopulation welche sanftmütige, vitale, krankheitsresistente und gut angepaßte Bienenvölker hergibt, welche den Varroamilben gegenüber widerstandsfähiger sind.
Die Finanzierung der Zuchtarbeit erfolgt zum Teil durch EU und Landwirtschaftsministerium über die EU Verordnung 797/2004 (früher 1221/97).
Warum Züchtung auf Varroatoleranz?
Der seit Beginn der Varroa-Epidemie in der Imkerei (oft) zu beobachtende gedankenlose Einsatz von Behandlungsmitteln führt in eine Sackgasse:
Analysen weltweit bestätigen eine zunehmende Belastung von Bienenwachs (-und in der Folge der geernteten Bienenprodukte-) durch Varroabehandlungsmittel.
Sämtliche Behandlungsmethoden bergen Gefahren für den Anwender (Imker).
Die Phase des einfach zu handhabenden Medikamenteneinsatzes ist, aufgrund massiver Resistenzbildung beim Parasiten zu Ende.
Wissenschaftler und Praktiker sind sich weltweit einig in der Einschätzung, dass als einzige nachhaltige Lösung des Varroaproblems die genetische Anpassung zwischen Wirt (Honigbiene) und Varroamilbe, entsprechend dem inzwischen bekannten Muster von Apis - CERANA, anzusehen ist.
Kann der normale Imker überhaupt einen Beitrag hierzu leisten?
Varroatoleranz wird nicht über Nacht durch einen Husarenritt erreicht werden, sondern langfristig durch beharrliche Zuchtarbeit auf breiter Ebene. Um in Gemeinschaftsarbeit voran zu kommen dürfen sich die Mitglieder und Mitarbeiter einer Arbeitsgemeinschaft nicht primär fragen: „Was bringt es mir (gleich, sofort)?“
Vielmehr geht es in erster Linie um folgendes: „Was lege ich meinerseits hinein in den großen Topf?
- an Wissen
- an Erfahrung
- an Bereitschaft zur Mitarbeit um ein bestimmtes Ziel zu erreichen
Eines ist klar: Je mehr der einzelne sich einbringt, desto schneller ist der Topf gefüllt, das angestrebte Ziel erreicht!
Warum künstliche Besamung?
Zucht = kontrollierte Verpaarung auserwählter Königinnen und Drohnen.
Der Flugradius zum Begattungsplatz einer Königin beträgt bis zu 5 km, der von Drohnen bis zu 7 km! Eine Belegstelle bedingt also einen bienenfreien Radius von 10 km! Mangels geografischer Hindernisse (Meer oder Berge), ist die Einrichtung einer Belegstelle in unserer Gegend nicht möglich.
Die instrumentelle Besamung ist somit die einzige zuverlässige Methode der kontrollierten Paarung.
Zuchtrichtungen
Die erfolgreiche Zucht und Selektion sollte „die Auswahl von möglichst vieler Zuchtvölker, unter die Beteiligung möglichst vieler Imker beinhalten“ (Dr. Job van Praagh, Beienzeitung 2001/04).
Die Zuchtgruppe steht allen Imkern offen und ist nicht an eine bestimmte Zuchtrichtung oder Bienenrasse gebunden.
Weiterbildung und Züchtertagungen
Den Mitgliedern der Zuchtgruppe wird der regelmäßige Besuch der von der FUAL angebotenen Zuchtkurse unbedingt empfohlen. Je nach Standplatz und Zuchtrichtung, sollten die Imker sich untereinander verständigen um sich gegenseitig bei den Arbeiten der Besamungsaktion helfen zu können. Jedes Jahr finden wenigstens 2 Züchtertagungen statt.
Was brauche ich von Material um mich an der Aktion zu beteiligen?
Imker, die noch keine Erfahrungen mit der Zucht haben, können sich Königinnen - in Form von schlupfreifen Edelzellen - bei einem der mitmachenden Züchter besorgen. In diesem Falle braucht man eigentlich nur 2 Dinge: Begattungs- oder Ableger-Kästen, sowie Käfige für die Königinnen.
Welchen Zeitaufwand muss ich berücksichtigen?
Zuchtarbeit = Terminarbeit !
Die Besamungsaktion findet alljährlich Anfang Juli statt. Um jedes Jahr 700-800 Königinnen besamen zu können, wird ein genauer Terminkalender aufgestellt, den es unbedingt einzuhalten gilt!
Der minimale Zeitaufwand (Beispiel für einen Imker, welcher nicht selber züchterisch aktiv ist) ist im wesentlichen folgender:
- Vorbereiten der Begattungskästen
- Schlupfreife Edelzellen bein einem Züchter abholen und in die Begattungsvölker einhängen
- Die Begattungsvölker spätestens 2 Tage vor der Besamung auf den gemeinsamen Standplatz fahren
- Am Tag vor der Besamung die Königinnen käfigen und eventuell beim Fangen der Drohnen helfen
- Am Tag der Besamung die Käfige mit den Königinnen einzeln zur Besamung geben
- Nach mindestens 1 weiteren Tag die Begattungsvölker wieder nach Hause fahren
Daneben gilt es die Zuchtarbeit nach den vorgegebenen Auswertungsvorlagen zu dokumentieren
| Attachment | Size |
|---|---|
| FUAL ZuchtguppLeitfaden.pdf | 1.51 MB |
| FUAL Zuchtgruppe Regeln.pdf | 83.63 KB |
