Ansprechpartner

Nico Turmes, Lorentzweiler, Tel.: 621 231 055, Email: nicotu@pt.lu

Paul Jungels , Brandenbourg, Tel.: 99 00 66, Email: paul@apisjungels.lu

Vergesellschaftet mit den Varroamilben, welche seit Anfang der 1980er Jahre auch in Luxemburg schrittweise alle Bienenvölker befallen haben, sind virale Krankheiten (Flügeldeformationsvirus, Sackbrutvirus u. A.) und bakterielle Einzeller (z.B. Nosema) der Honigbiene. Diese führen zu Deformationen der Bienen, verkürzter Lebenserwartung, und Verlust der Orientierung. Dramatisch ist dies weil nicht nur die erwachsenen Bienen sondern die Bienenbrut, die Zukunft eines jeden Bienenvolkes, langfristig erkrankt. Deshalb kommt es in der Folge bei erhöhtem Varroabefall zum völligen Zusammenbruch der Völker, besonders im Herbst und im Winterhalbjahr. Aus diesem Grund müssen weltweit regelmäßige Behandlungen (oft mehrmals jährlich) der Völker von Apis Mellifera, der westlichen Art der Honigbienen, durchgeführt werden. All diese Behandlungen sind ähnlich problematisch wie alle anderen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen in der Landwirtschaft: sie sind verbunden mit Resistenzbildung der Schädlinge gegenüber Behandlungsmitteln, Rückstandsbildung in den erzeugten Lebensmitteln und der Schädigung des Wirtes (unseren Bienen). Letzteres gilt für alle Arten der Behandlung, vor allem auch der Behandlungen mit Ameisensäure und mit Oxalsäure. Selbst betriebstechnische Maßnahmen (Vernichtung der Brut mit Milben) sind ethisch problematisch.

Die westliche Honigbiene (Apis Mellifera) besitzt in ihrem Erbgut, ähnlich wie der ursprüngliche Wirt von Varroa (Apis Cerana), natürliche Abwehrmechanismen. Diese sind jedoch bei Apis Mellifera sehr schwach ausgebildet. Diese durch Auslese und gezielte Verpaarung derart zu intensivieren, dass Behandlungen überflüssig werden, ist der natürliche und nachhaltige Weg der Varroabekämpfung. Es geht hier nicht um eine allmähliche Anpassung zwischen Wirt und Parasit die bei hohen Bienendichten wie in Luxemburg undenkbar sind, sondern um Resistenz! Also Widerstand der Bienen gegenüber dem Eindringling (Varroa) in die Brut.

Vorbedingung des möglichen Fortschritts durch Auslese

Durch Auslese können nur Eigenschaften verändert werden welche erblich bedingt sind. In unserem Fall kommen nach heutigem Wissensstand drei wesentliche Merkmale in Betracht:

  • VSH = Varroa Sensitive Hygiene, beruht auf einem gesteigerten Geruchssinn der Arbeiterinnen in Verbindung mit der Neigung besserer Hygiene (durch Ausräumen auffälliger Brut) im Volk
  • SMR = unterdrückte Milbenvermehrung als Ergebnis des erwähnten Ausräumverhaltens und gesteuert zusätzlich durch teils unerforschte Störungen des Zyklusses der Varroavermehrung in der Brut.

Fehlende Signale aus der Brut an die Varroamilben, welche das Eindringen der Milben in die Brut bewirken. Es handelt sich hier um offenbar fehlende artübergreifende (Biene -- Varroa) Botenstoffe (Kairomone). Dies ist eine gewonnene Erkenntnis aus den Brutauszählungen über all die Jahre des Zuchtprogrammes (2014-2021). Grundlagenforschung zu diesem Komplex wäre dringend nötig.

Das Luxemburger Programm erklärt in drei Schritten

Schritt 1: Prüfung der Luxemburger Bienenpopulationen beider Zuchtrassen Carnica und Buckfast hinsichtlich ihrer phänotypischen (= was man sieht und erfassen kann) Ausprägung der erblich bedingten Resistenz.

Schritt 2: Additive Zusammenführung der in Schritt 1 gefundenen, phänotypischen Varroaresistenz-Ausprägung durch instrumentelle Besamung. Instrumentelle Besamung ist bei Honigbienen bei uns in Luxemburg die einzige Möglichkeit, kontrollierte Paarungen zu erzielen.

Schritt 3: Errichtung von Begattungsständen auf der Basis der in Schritt 2 geschaffenen Nachkommen mit hoher phänotypischer Resistenz-Ausprägung zur flächigen, natürlichen Verbreitung der Resistenz-Gene durch die Drohnen aus diesen Völkern.

Ergebnisse Stand Herbst 2021/ Frühjahr 2022

Das Auffinden und das additive Zusammenfügen von Resistenzmechanismen durch instrumentelle Besamung hat überraschend schnell bei der Luxemburgischen Buckfastbiene zu vollresistenten Linien geführt. Bei dieser Bienenrasse begann das Zuchtprogramm bereits viele Jahre früher als bei anderen Zuchtrassen. Aber auch bei der Carnicabiene wurden sehr gute Ergebnisse erzielt, die es weiterzuführen gilt. Bei beiden Zuchtrassen ist das Ziel einer vollkommenen Resistenz gegenüber Varroa destructor in greifbarer Nähe und zum Teil (bei einigen Linien der Zuchtrasse Buckfast) sogar erreicht.

Das wagte bei Beginn des staatlich geförderten Programms (2017) keiner vorauszusagen.

Zwei Begattungsstände (nähe Fingig und nähe Vianden) sind in Betrieb genommen worden. Im größeren Umkreis dieser Begattungsstände stehen jeweils 80 bis 100 Bienenvölker aus resistenter Abstammung. Deren Drohnen begatten mehrheitlich die auf den Begattungsständen aufgestellten Jungköniginnen. Die hieraus hervorgehenden Bienenvölker sind in hohem Maße resistent gegenüber der Varroamilbe, d.h. sie benötigen keinerlei oder kaum noch eine Behandlung (Stand der Ergebnisse Herbst 2021). Die Begattungsstände sind für alle Imker offen bei Einhaltung der sanitären Regeln und können entsprechend der internen Reglementierung benutzt werden. Hierdurch werden intensivierte Resistenzgene in die allgemeine Bienenpopulation gebracht. Die Varroasituation wird sich auf Dauer hierdurch auch bei nichtzüchtenden Imkern in den kommenden Jahren im Land entspannen.

Die frei fliegenden Drohnen der Begattungsstände Fingig/Selange (B) und Vianden üben ihren Einfluss auch auf die Bienenvölker nicht züchtender Imker im Land aus.

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